22.09.2010, George Stavrakis
Opfer behält bleibende Schäden
Stuttgart - Sie schweigen. Kein Wort kommt den vier Männern, die den Geschäftsmann Felix W. überfallen und angeschossen haben sollen, über die Lippen. Deshalb muss sich Staatsanwalt Albrecht Braun bei der Beweisaufnahme vor der 9.Schwurgerichtskammer des Landgerichts Stuttgart ins Zeug legen. Dort sind die vier Italiener im Alter von 22 bis 46 Jahren wegen versuchten Mordes und versuchten erpresserischen Menschenraubs angeklagt.
Ein Mittel, um den Männern nachzuweisen, dass sie den 41-jährigen Unternehmer und seine Begleiterin spätabends am 22. November 2009 an der Heilbronner Straße überfallen haben, sind die Protokolle der Telefonüberwachung. Sie zeigen, dass sich die Angeklagten im Tatzeitraum in der Gegend aufgehalten haben, wo der Modeunternehmer zum Opfer geworden war. Die Täter hatten ihm auf dem Firmengelände in Feuerbach aufgelauert - offenbar, um ihn zu zwingen, seine Tresore zu öffnen. Der Raubzug schlug fehl und hätte den 41-Jährigen fast das Leben gekostet. Ein Täter schoss ihm in die Leiste und in den linken Oberschenkel.
Polizei fahndet nach Komplizen
"Die Überwachungsprotokolle zeigen nur, dass die Angeklagten im Bereich der Funkmasten waren", sagt Verteidiger Jörg-Matthias Wolff. Dieser erstrecke sich jedoch über den Pragsattel hinaus bis nach Zuffenhausen und zum Teil bis nahe der Innenstadt. Das beweise nichts, so Wolff.
Felix W. hat nur knapp überlebt. Im Oberschenkel waren die Vene und die Arterie zerschossen worden. 16 Operationen musste der Geschäftsmann über sich ergehen lassen. Er werde bleibende Schäden am verletzten Bein davontragen, so eine Ärztin.
Unterdessen fahndet die Polizei nach weiteren möglichen Komplizen der Angeklagten. Der Prozess wird am Donnerstag, 23. September, fortgesetzt.

